Oberflächliche kratzer am auto selbst entfernen: so geht es richtig
Oberflächliche kratzer am auto lassen sich in vielen fällen problemlos selbst entfernen, ohne in die werkstatt fahren zu müssen. Entscheidend ist, wie tief der kratzer ist: erreicht er nur den klarlack oder die obere lackschicht, ohne den grundlack oder das metall freizulegen, kannst du ihn oft mit polieren oder einem kratzerentferner selbst beheben.
Bevor du irgendetwas kaufst oder drauflosmachst, lohnt sich ein schneller test mit dem fingernagel: fährst du quer über den kratzer und dein nagel bleibt nicht hängen, handelt es sich höchstwahrscheinlich um einen oberflächlichen kratzer im klarlack. Hängt der nagel ein, ist der kratzer tiefer und braucht andere behandlung.
Woran erkennst du einen oberflächlichen kratzer?
Der autolack besteht aus mehreren schichten: der grundierung, dem basislack mit der farbe und dem klarlack obendrauf. Oberflächliche kratzer befinden sich nur im klarlack oder an der oberfläche des basislacks. Sie erscheinen oft als helle, weißliche streifen, weil das licht dort anders reflektiert wird. Bei sonnenlicht oder seitlichem licht sind sie gut sichtbar, aus anderen winkeln kaum.
Ein typisches beispiel: der supermarkt-parkplatz. Eine einkaufswagenkante streifte dein fahrzeug, und nun zieht sich ein matter strich über die tür. Oder ast- und bürstenspuren vom automaten-waschen. In beiden fällen handelt es sich meistens um schäden, die nur den klarlack betreffen und damit gut selbst behandelbar sind.
Oberflächliche kratzer selbst entfernen: schritt für schritt
Für einfache kratzer im klarlack brauchst du kein teures spezialwerkzeug. Mit diesen schritten kommst du ans ziel:
- Reinigung: Wasche die beschädigte stelle gründlich mit klarem wasser und einem weichen tuch. Schmutz im kratzer verschlimmert den schaden beim polieren.
- Politur auftragen: Trage eine feine schleifpolitur (auch „kratzerentferner“ genannt) mit einem weichen mikrofasertuch oder einem polierschwamm auf. In kreisbewegungen gleichmäßig einarbeiten.
- Nachpolieren: Mit einem sauberen tuch die politur abreiben und das ergebnis im licht prüfen. Bei leichten kratzern ist der schaden danach kaum noch sichtbar.
- Versiegeln: Zum schutz der polierten stelle anschließend eine schicht carnauba-wachs oder lackversiegelung auftragen.
Produkte wie polierpaste, kratzerentferner-stifte oder schleifpads sind in jedem autozubehörhandel erhältlich, zu preisen von etwa fünf bis zwanzig euro. Für den hausgebrauch reicht oft ein einfaches set mit politur und tuch völlig aus.
Wann hilft polieren nicht?
Polieren funktioniert nur, wenn der kratzer wirklich nur die oberfläche betrifft. Geht er tiefer, also bis in den basislack oder gar bis aufs metall, bringt polieren nichts. Im gegenteil: zu aggressives polieren dünnt den klarlack weiter aus und kann das problem verschlimmern. Sieht man farbe oder blankes metall im kratzer, ist ein lackstift oder smart repair die bessere wahl, nicht polieren.
Auch bei kratzern, die breiter als ein bleistiftstrich sind oder mehrere dezimeter lang, lohnt sich professionelle hilfe eher als stundenlange eigenarbeit. Die ADAC empfiehlt, bei kleineren, wirklich flachen kratzern die do-it-yourself-methode auszuprobieren, aber bei zweifeln lieber einmal mehr einen fachmann zu fragen.
Poliermaschine oder mit der hand?
Für einen einzelnen, kleinen kratzer reicht handpolieren vollkommen aus. Eine elektrische poliermaschine erzielt zwar gleichmäßigere ergebnisse auf größeren flächen, ist aber für laien mit risiken verbunden: zu viel druck oder falsche geschwindigkeit können den klarlack durchpolieren und dann ist der schaden größer als vorher. Wer eine maschine nutzt, sollte mit niedrigster stufe beginnen und den bereich nicht zu lange an einer stelle bearbeiten.
Für gelegentliche kratzer im alltag ist das handpolieren mit einem guten mikrofasertuch die sicherste methode ohne lernkurve.
Kurz zusammengefasst: bei einem oberflächlichen kratzer am auto, den dein fingernagel nicht einhakt, lohnt der selbstversuch mit politur fast immer. Das kostet wenig, dauert in der regel unter einer stunde und liefert bei flachen lackschäden überraschend gute ergebnisse. Ist der schaden tiefer, ist es besser, auf smart repair oder die werkstatt zu setzen, damit kein rost entsteht.
